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Süsswasser-Zuchtperlen

Süsswasser-Zuchtperlen gewinnen im heutigen Schmuckmarkt immer mehr an Bedeutung. Über die Produktion dieser hochwertigen Naturprodukte ist hierzulande allerdings noch sehr wenig bekannt.

Lange Zeit wurden die Süsswasserperlen von ihren Verwanden aus dem Meer, der Akoya-Zuchtperle, fast verdrängt. Heute jedoch hat ihre Zucht eine Qualität erreicht, mit der sie zu einer immer größeren Konkurrenz für Akoya-Zuchtperlen werden. Der chinesische Markt hat das Potential dieser natürlichen Schmuckstücke aus dem Yangtze erkannt, so dass in vielen Gebieten mit der Zucht zwischen den Reisfeldern begonnen wurde.

Die meisten Süsswasser-Zuchtperlen auf dem heutigen Weltmarkt kommen aus China. Vor Jahren noch war der Biwa-See in Japan ein wichtiger Ort der Süsswasser-Perlenzucht. Deshalb wird häufig zwischen „Biwa-Perlen“ und chinesischen Süsswasser-Zuchtperlen differenziert.

Die Süsswasser-Perlenzucht beschränkt sich jedoch nicht auf die Länder Asiens – auch in den USA oder Peru werden solche Perlen produziert.

Muschelzucht:

Perlmuscheln sind sehr schwierig zu züchten, und es ist eine hochspezialisierte Vorgehensweise dafür notwendig. Kurz vor der Eiablage der Muscheln werden eigens für die Muschelzucht ausgesuchte kleine Fische – meistens Welse – im Zuchtteich ausgesetzt. Diese Tiere spielen bei der Muschelzucht eine wichtige Rolle: Ihre Anwesenheit zeigt den Muscheln eine gute Wasserqualität und ideale Voraussetzungen zur Eiablage an. Nach der Eiablage setzen sich die Eier für ca 10 Tage auf den Fischen fest und ernähren sich von deren Hautoberfläche. Nach diesen zehn Tagen fallen die Muscheleier von den Fischen ab, auf den Grund der Aufzuchtanlage. Das Schwimmverhalten der Fische stellt eine gleichmäßige Verteilung der Muscheleier sicher.

Nachdem die Eier abgefallen sind, müssen die Fische schnellstens aus dem Becken genommen werden, um zu vermeiden, dass sie nun ihrerseits die Muscheleier auf ihren Speiseplan setzen .

Nach einem Jahr werden die Muscheln aus dem Aufzuchtbecken entnommen. Sie sind inzwischen auf 8 bis 10 cm angewachsen und werden zu den Perlenfarmen gebracht.



Kultivierung und Operation:

Die Operation der Muscheln wird von darauf spezialisierten Arbeitsgruppen durchgeführt. Wie in den meisten anderen Bereichen der Perlenzucht auch, liegt der Ursprung von Kultivierung und Handling in Japan.

Die Mannschaft der Spezialisten unterteilt sich noch einmal in Dreiergruppen, jeder einzelne Mitarbeiter mit einem genau definierten Arbeitsgebiet. Einer sortiert die Muscheln nach ihrer Grösse. Die kräftigsten werden für die Aufnahme der Implantate ausgesucht. Die kleineren Muscheln werden geöffnet und zwei schmale Streifen des Muskelfleisches herausgetrennt. Der zweite Techniker zerschneidet diese Streifen in kleine ca 1 mm große Stücke. Der dritte Spezialist öffnet die lebenden größeren Muscheln um wenige Zentimeter und implantiert ca 30 der kleinen Muskelfleischstücke. Dies ist der einzige Weg um eine operierte Flussmuschel zur Bildung von Aragonit, aus dem die Perle besteht, anzuregen.

Diese Operation perfekt durchzuführen ist ganz entscheidend für die gewünschte Form der Perle. Der Abstand zwischen den Implantaten darf dabei nicht zu gering sein, damit die Perlen nicht zusammenwachsen – es sei denn, dies ist beabsichtigt. Die Formenvielfalt der Süsswasser-Zuchtperlen wird demnach maßgeblich von der Geschicklichkeit des Operateurs bestimmt. Nach der Operation werden die Muscheln in Netze gepackt – drei oder vier pro Netz – und in etwas tieferes Wasser als bei der Muschelzucht gebracht.

Die Ernte:

Etwa zwei Jahre verbringen die Muscheln nun in ihrer neuen Umgebung, in der die Perlen eine Grösse zwischen 3 und 5 mm erreicht haben. Wenn die Perlen nach Form und Struktur sortiert sind – am beliebtesten sind ganz runde, aber auch Fancy-Formen – werden sie zu anderen Farmen gebracht.

Dort werden sie erneut in andere, größere Muscheln implantiert, um weiter zu wachsen. Dieser Prozess dauert weitere zwei bis vier Jahre – manchmal länger – um die Perlen weiter Schicht für Schicht wachsen zu lassen. Um gute Qualitäten zu erzielen, ist sehr sauberes, kristallklares Wasser unabdingbar.

Farben und Behandlung:

Die aus den Muscheln entnommenen Perlen werden zunächst sorgfältig gewaschen und dann in großen Trommeln mit der Poliermasse aus kleinen Bambusstücken, grob gemahlene Walnußschalen oder Maisstücken sowie verschiedenen Zusätzen poliert. Schließlich werden die Perlen nach Marktbedarf sortiert. Nicht alle Perlen müssen heute weiß sein, natürliche Farben sind zur Zeit sehr beliebt, sodass nur noch cremefarbene Perlen gebleicht werden. Für den Bleichprozess ist ein etwa vierwöchiges Bad in einer Mischung aus Methanol und 3%igem Wasserstoffperoxid erforderlich. Beschleunigt wird das Bleichen durch permanentes Bestrahlen mit Neonlicht. Anschließend müssen die Perlen erneut poliert werden. Die Farben, die heute auf dem Markt erhältlich sind, können natürlich sein, aber auch – wie beschrieben – gebleicht oder gefärbt.

Die natürlichen Farben sind weiß, cremefarben bis apricot und alle Schattierungen von rosé und lila. Diese Farben verändern sich auch später nicht mehr.

Eine Grautönung wird durch Einfärben oder Behandlung mit Gammastrahlen erreicht. Dabei bleiben keinerlei Rückstände zurück – Gammastrahlen werden auch zur besseren Haltbarkeit von Lebensmittel eingesetzt.

Helles grau verändert seine Farbe nicht mehr. Schwarze und dunkelgraue Perlen wurden mit Silbernitrat behandelt. Über einen längeren Zeitraum können sich diese Farben verändern und etwas heller werden.

Die Tahiti-Perlen-Schattierungen werden erzielt, indem man nur farbige und keine weissen Perlen zur Behandlung auswählt. Darüber hinaus gibt es eine große Bandbreite gefärbter Perlen, die jedoch fast alle mit der Zeit etwas blasser in ihrer Tönung werden.

Wenn die Perlen gereinigt und behandelt sind, werden sie nach Grösse und Farbe sortiert und – je nach Verwendungszweck - angebohrt oder durchbohrt und auf einen Transportfaden aufgezogen.

Zwei Eigenschaften sind es im wesendlichen, die Süsswasser-Zuchtperlen von anderen Perlenvariationen unterscheiden. Als erstes – wie der Name schon sagt – die Umgebung, in der sie aufwachsen. Im Gegensatz zu Akoya-Zuchtperlen, australischen Zuchtperlen, Tahiti- und Südsee-Zuchtperlen oder Mabeperlen werden sie in speziell dafür ausgewählten Seen und Flüssen gezüchtet, die sich durch besonders sauberes Wasser auszeichnet. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass Süsswasser-Zuchtperlen keinen Nuklear haben – sie sind zu 100 % Perle.

100% natur - darüber muß sich die Trägerin im Klaren sein - muss gepflegt werden. Die chemische Substanz der Perlen – Aragonit – macht sie anfällig für Einflüsse durch Säure, Parfum, Cremes oder starke Transpiration, die mit der Zeit den Glanz beeinträchtigen. Reiben Sie Ihre Süsswasser-Zuchtperlen nach dem Tragen immer mit einem weichen Tuch ab.