V2 25

Verfärbungen und Lochfraß an Messerklingen

In zunehmendem Maße werden wir um Stellungnahme gebeten bei Beanstandungen aus dem Verbraucherkreis zu Korrosionserscheinungen an Messerklingen. Da fast immer die gleichen Ursachen vorliegen, möchten wir Ihnen dazu einmal eine kleine Zusammenfassung unserer Lieferanten geben.Bei den Verfärbungen handelt es sich nicht um Korrosionserscheinungen am Stahl. Man hat die Erfahrung gemacht, dass nach Einführung der modernen Spülmittel im Haushalt, ganz besonders aber in Gaststätten und Kantinenbetrieben, wo das Spülen nicht von Hand, sondern maschinell vorgenommen wird,diese Erscheinungen häufiger auftreten. Zu klären sind sie in der Weise, dassman bei Verwendung dieser Spülhilfsmittel in vielen Fällen auf das sonst übliche Trockenreiben der Klingen nach dem Spülen verzichtet. Dieses Trockenreiben bedeutet gleichzeitig noch eine Politur der Oberfläche, die den ursprünglichen Glanz immer wieder herstellt. Das wiederholt auf der Stahloberfläche eingetrocknete Wasser oder auch die Dampfschwaden im Spülautomat hinterlassen einen Belag, bestehend aus dem im Wasser gelösten Substanzen.

Hierzu gehören sowohl die verwendeten Spülmittel als auch die natürlichen Bestandteile des Leitungswassers wie Kalk, Gips und Eisen. Diese hauchfeinen Ablagerungen nehmen je nach ihrer Stärke als Interfarenzeffekt gewisse Farbtöne an, die mit zunehmender Dicke des Belages immer dunkler werden. Es wird vermutet, dass hier ein elektrochemischer Vorgang mitspielt der bewirkt, dass die sich im Wasser befindlichen Fremdstoffe auf dem Metall mit dem niedrigeren Potential ablagern. So empfiehlt zum Beispiel eine Spülmittelfirma das gemeinsame Spülen von Besteckteilen aus verschiedenen Metallen, besonders Silber, möglichst zu vermeiden. Es besteht jedoch bei den Messern bereits ein Potentialunterschied zwischen Heft und Klinge. Dadurch ist vielleicht auch schon geklärt, warum die Ablagerungen bevorzugt in der Nähe des Kropfes festgestellt werden

Normalerweise lassen sich die Verfärbungen mit Äther oder Xylot oder auch durch Abreiben mit etwas Wiener Kalk mühelos entfernen.

Treten Anlaufflecken bevorzugt im Bereich der eingeschliffenen Säge auf, so besteht die Möglichkeit, dass das Material beim Einschleifen der Zähne zu sehr erwärmt wurde und es durch Ausscheidungen von Chromkarbiden zu örtlich verminderter Korrosionsbeständigkeit gekommen ist. Das gleiche gilt auch für andere Stellen auf den Klingenflächen, welche beim Pließen oder Polieren zu heiß geworden sind. Oft treten als Bestätigung Schleifrisse im Bereich des Sägeschliffes und am Messerrücken auf. Es braucht sich also nicht um regelrechte Anlauffarben zu handeln, die bei hoch legierten Stählen erst sehr spät kommen, sondern um eine Korrosionserscheinung an der nicht mehr voll ausgehärteten Stelle. Anhand der Härte lässt sich das nicht genau feststellen, da die Anlaßwirkung durch die schlechte Leitfähigkeit des hoch legierten Stahls oft auf hauchdünne Oberflächenschichten beschränkt bleibt.

Es muss hier noch einmal darauf hingewiesen werden, dass die heute noch überwiegend verwendeten martensitischen Messerstähle mit 0,40 bis 0,55% Kohlenstoff und 13 bis 15% Chrom nur im optimal gehärteten Zustand gegen die im Haushalt auftretenden aggressiven Medien beständig sind, wobei noch eine feinstgeschliffene oder polierte Oberfläche Voraussetzung ist. Als säurebeständig sind diese Stähle in keinem Falle anzusprechen. Im geglühten oder hoch angelassenen Zustand geht der Grundmasse ein beträchtlicher Anteil des Chroms durch Abbindung zu Chromkarbid verloren, wodurch die Beständigkeit stark absinkt.

Die unangenehmste und irreparable Erscheinung ist der so genannte Lochfraß,eine punktförmige Korrosion. Hierbei handelt es sich um einen örtlichen Angriff, bevorzugt an Schwachstellen des Materials, der hauptsächlich in Lösungen auftritt, die Verbindungen der Halogene Chlor, Brom oder Jod enthalten, z.B. Kochsalz.
Auch das vermehrte Auftreten dieser Beanstandungen muss mit Zunahme der Geschirrspülmaschinen in Verbindung gebracht werden. Mit Heringsauce,
Senf, Mayonnaise oder ähnlichem verschmutzte Messer können innerhalb weniger Stunden angegriffen werden. Oft aber bleiben die Teile eine ganze Nacht oder den ganzen Tag unabgewaschen.

Es kann zusätzlich eine Korrosion auftreten. Kommt der rostfreie Messerstahl mit einem anderen metallischen Werkstoff in Berührung, welcher chemisch edler ist, z.B. Silber, so kann ein elektrochemisches Element entstehen, sobald ein als Elektrolyt wirkendes Medium anwesend ist. Es tritt örtlich eine schnelle
Zerstörung ein. Im Besteckkorb einer Spülmaschine liegen diese Gelegenheiten sehr leicht vor.
Unseres Wissens sind diese Probleme zumindest mit der Grund für die umfangreichen Versuche, welche auf die Initiative des Verbandes der Spülmaschinenhersteller und des Besteckverbandes hin von dem Forschungsinstitut für die Schneidwarenindustrie in Solingen durchgeführt werden.
Im Augenblick kann nur empfohlen werden, die Bestecke wenigstens von den gröbsten Verunreinigungen zu reinigen, ein möglichst mildes Spülmittel zu benutzen und die Bestecke mit einem trockenen Lappen nachzutrocknen.